In Gedenken an Dr. Gerhard Liebig (1948 – 2026)

In Gedenken an Dr. Gerhard Liebig (1948 – 2026)

Die Imkerwelt trauert um einen ihrer prägendsten, streitbarsten und leidenschaftlichsten Wissenschaftler: Dr. Gerhard Liebig ist am 19. Mai 2026 im Alter von 77 Jahren verstorben.

Mit ihm verliert die Bienenforschung und die praktische Imkerei einen Vordenker, dessen Arbeit Generationen von Imkerinnen und Imkern geprägt hat. Über Jahrzehnte hinweg war sein Name untrennbar mit einer modernen, evidenzbasierten und vor allem praxisnahen Bienenhaltung verbunden.

Ein Leben für die Bienen und die Praxis

Dr. Gerhard Liebig war promovierter Agrarbiologe und langjähriger Mitarbeiter an der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. Doch er war nie ein Wissenschaftler, der sich im Elfenbeinturm versteckte. Sein Credo war stets die Verbindung von Forschung und Praxis.

Sein wohl bekanntestes Werk, der Buchklassiker „Einfach imkern“, wurde für unzählige Anfänger und Profis zur Pflichtlektüre. Liebig räumte radikal mit komplizierten Mythen auf und zeigte, dass erfolgreiche Imkerei keine Geheimwissenschaft ist, sondern auf genauer Beobachtung, logischen Abläufen und dem Verständnis der Biologie des Bienenvolkes basiert.

Ein streitbarer Geist – Respekt vor der Lebensleistung

Gerhard Liebig war bekannt für seine klaren Worte. Er scheute keine Kontroverse, hinterfragte Verbandstrukturen und vertrat seine wissenschaftlich fundierten Ansichten oft mit einer humorvollen, aber unnachgiebigen Direktheit. Genau diese Ecken und Kanten machten ihn bei seinen Vorträgen zu einem Publikumsmagneten.

Auch wir waren in der imkerlichen Praxis und der Betriebsweise wahrlich nicht immer gleicher Meinung mit ihm. Doch gerade in diesem Diskurs zeigte sich die Qualität seiner Arbeit: Man konnte über Details streiten, aber man konnte niemals die fundierte Substanz seiner Argumente ignorieren. Mit seiner unermüdlichen Forschung und seinen unzähligen Versuchsreihen hat er einen unschätzbaren und bedeutenden Teil zur Entwicklung der deutschen Imkerei beigetragen. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse haben der Praxis ein Fundament gegeben, von dem wir alle bis heute profitieren.

Der unermüdliche Mahner im Varroakampf

Besonders im Kampf gegen die Varroamilbe leistete Liebig Pionierarbeit. Die von ihm mitentwickelte „Teilen und behandeln“-Methode sowie der von ihm modifizierte Liebig-Dispenser zur Ameisensäurebehandlung sind feste Säulen des modernen Varroamanagements. Er wurde nicht müde, das Zusammenspiel von Volksentwicklung, Befallsdruck und rechtzeitiger Behandlung zu predigen.

Er hinterlässt eine Lücke, die in der deutschsprachigen Imkerschaft kaum zu schließen sein wird. Seine Methoden, seine Schriften und sein unkonventioneller Geist werden jedoch in unzähligen Bienenstöcken und den Köpfen der Imker weiterleben.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Weggefährten.

„Einfach imkern“ – wir werden versuchen, dieses Vermächtnis in Ehren zu halten und im Alltag am Bienenstand fortzuführen.

Marc Wetzel
Im Mai 2026

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